Gen Terra

Im Moskauer Technopark „Kalibr“ arbeitet das einzige Unternehmen in Russland, das Reaktionsstoffe für Molekularbiologie im industriellen Umfang herstellt. In seinem Interview an das Moskauer Investitionsportal hat der Direktor des Unternehmens Gen Terra Wladimir Surwilo über DNA, Genomsequenzierung und seine Pläne für die Eroberung des internationalen Marktes erzählt.

– Wladimir, für einen Laien ist es schwer, die Spezifik Ihres Unternehmens zu begreifen. Könnten Sie noch etwas genauer erläutern, womit Sie sich beschäftigen?

–  Wir beschäftigen uns mit Reaktionsstoffen für Molekularbiologie. Heutzutage erlebt Molekularbiologie weltweit einen Aufschwung. Noch vor dreißig Jahren gab es solch ein Projekt wie „Menschliches Genom“, das Jahrzehnte Forschung und Milliarden Dollar Investitionen verlangte. Die Sequenzierung des ganzen menschlichen Genoms hat vielleicht zwanzig Jahre in Anpsruch genommen. Heute kann das Genom jedes Menschen buchstäblich im Laufe eines Tages sequenziert werden, und das ist erschwinglich – das kostet etwa ein Paar Tausend Dollar. So schnell entwickeln sich die Technologien.

– Was bedeutet es, das Genom zu „sequenzieren“?

– Jedes Lebewesen enthält eine DNA. Darin sind alle Informationen über unser Äußeres und den inneren Aufbau verschlüsselt. Die DNA sind kleine Moleküle, die zu einer großen langen Kette zusammengenäht sind, die Dutzende Millionen Kilometer erreichen kann. Die ist auf eine besondere Weise in der Zelle verknäuelt und kann heute sequenziert werden, das heißt, diese Sequenz kann gelesen werden. Wir können deutlich erkennen, welches Molekül sich in dieser Kette befindet und wo. Sequenzen kennend, können wir verstehen, wofür ein Teil der DNA zuständig ist, welche Eiweißstoffe sie programmiert, wie sie unser Äußeres und den inneren Aufbau programmiert. Dementsprechend können wir das beeinflussen. Heute erscheinen Medikamente der neuesten Generationen, die unmittelbar das Genom beeinflussen und es ermöglichen, seltene genetische Krankheiten zu heilen. Es gibt Mechanismen der Genom-Editierung, das heißt, theoretisch können wir Mutanten schaffen. Heutzutage werden schon künstliche Organismen erzeugt: Das Genom wird aufs Neue synthetisiert und in lebende Zellen eingebaut. Daraus entsteht ein völlig künstlicher Organismus, der vom Menschen ohne Eingriff der Natur geschaffen wurde.

Diese Technologien entwickeln sich heute sehr aktiv. Auf dem Gebiet der Medizin können wir dank der Sequenzierung ganz verschiedene Krankheiten diagnostizieren. Beispielsweise hat die Onkologie gute Fortschritte gemacht. Wir beginnen schon zu verstehen, welche Tumoren gegenüber welchem Medikament sensibel sind. Es gibt individuell angepasste Behandlungen: Der Tumor eines Kranken wird sequenziert, auf diese Weise erfährt man, mit welchem Medikament der geheilt werden kann. Der Kranke bekommt eine Lebenschance, weil früher die Behandlung nur auf praktische Art und Weise erfolgte: Dem Kranken wurde ein neues Arzneimittel verschrieben und nach den Ergebnissen stellte man fest, dass die Krankheit dadurch nicht behandelt werden kann. Pränataldiagnostik, hundertprozentige Vaterschaftsbestimmung – das alles ist heute mit Hilfe der molekularen Diagnostik möglich.

– Und womit beschäftigt sich unmittelbar Ihr Unternehmen?

– Wir stellen künstliche DNA her. Um solche Untersuchungen auszuführen, reicht es nicht, auf etwas zu schauen, zum Beispiel, durch ein Mikroskop. Die DNA wird mit Hilfe der chemischen Prozesse, spezieller Fermente und Sequenzierung analysiert. Am Anfang dieser Forschungen werden synthetische Anteile verwendet. Zum Beispiel, wissen wir, wonach  wir genau suchen, - wir machen das synthetisch und dann beginnen wir, unser Versuchsmuster mit dem synthetischen Anteil zu vergleichen. Stimmen die überein, ist es genau das, wonach wir suchen. So ist die Methodologie der DNA-Forschung: Ursprünglich müssen wir synthetische DNA-Anteile, so genannte Oligonukleotide, haben. Und die stellen wir im industriellen Umfang her.

In Russland gibt es einige Unternehmen, die sich mit der Synthese der Oligonukleotide für wissenschaftliche Forschungen beschäftigen. Die Oligonukleotide werden für wissenschaftliche Zwecke und in sehr kleinen Mengen erzeugt. Und wir produzieren die in Gramm (ein Gramm ist eine sehr große Menge für solche komplexen Moleküle), danach werden sie zu verschiedenen medizinischen Zwecken der Massenanwendung benutzt, zum Beispiel zur Herstellung von Diagnostik-Sets. Dies bedeutet, wir liefern Rohstoffe für medizinische Diagnostik. In Russland sind wir das einzige Unternehmen von solchem Niveau. In der Welt sind diese Technologien sehr entwickelt. So viel ich weiß, ist das erste Medikament in Form von DNA-Molekülen bereits 2012 auf der Basis der künstlichen DNA erschienen.

– Welche Hilfe leisten der Technopark und die Moskauer Regierung Ihnen als Residenten?

– In Europa gibt es solch einen Begriff wie CEO-Label: Die Produkte, die in einem Betrieb hergestellt werden, wo bestimmte Richtlinien zur Qualitätskontrolle beachtet werden, werden gekennzeichnet. Es macht überhaupt keinen Sinn, nicht gekennzeichnete Produkte auf dem europäischen Markt zu verkaufen. Wir haben vor, solches Label für eines unserer Produkte zu erhalten, und die Moskauer Regierung wird uns die entsprechenden Kosten erstatten. Wir erwarten vom Technopark irgendwelche Beratungshilfe bezüglich dieser Frage. Das wird uns helfen, in den Auslandsmarkt einzutreten.

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