Exacte Labs

Es gibt eine Meinung, dass Technoparks sich ausschließlich auf Industrieproduktion oder IT-Technologien richten. Trotzdem können sie sich als ein idealer Ort für Unternehmen mit verschiedenen Profilen erweisen. Beispielsweise befindet sich im Technopark „Slawa“ ein Laborzentrum „Exacte Labs“, das medizinische Tests und Analysen der Arzneimittel durchführt. In einem Interview an das Moskauer Investitionsportal hat der Generaldirektor Wassilij Kasej über den Forschungsgegenstand und ein wenig über Indien erzählt.

– Wassilij, warum haben Sie sich gerade für diesen Tätigkeitsbereich entschieden?

– 2011 ist ein Föderalgesetz in Kraft getreten, laut dem alle Arzneimittelhersteller ohne Ausnahmen verpflichtet sind, einen Teil der Untersuchungen von ihren Medikamenten in Russland durchzuführen. Man kann sagen, dass dieses Gesetz westliche Pharmaunternehmen nach Laboratorien in Russland suchen ließ.

Das neue Gesetz hat eine Nische im Bereich der Laboruntersuchungen für Pharmaunternehmen geöffnet. Ich war mit der ähnlichen Tätigkeit in meiner vorigen Arbeit beschäftigt, habe rechtzeitig diese Nische gefühlt und beschlossen, die zu betreten und zu sehen, was sich daraus ergeben wird. Zu jenem Zeitpunkt war diese Nische ziemlich neu für Russland, weil selbstständige Laboratorien praktisch nicht existierten. In gewisser Hinsicht war unser Unternehmen einer der ersten Akteure auf dem Markt.

– Könnten Sie bitte Näheres dazu sagen, womit sich das Unternehmen beschäftigt und was genau untersucht wird?

– Der Schwerpunkt unserer Tätigkeit liegt bei der Untersuchung von Nachahmerpräparaten. Alle Arzneimittel, die auf dem Markt verkauft werden, können sich eventuell in zwei Kategorien aufgeteilt werden – Originalpräparate und Nachahmerpräparate (Generika). Ein Originalpräparat wird umfassend getestet, was 7-10 Jahre in Anspruch nimmt, und nach dem Markteintritt durchläuft es eine durch Patentschutz gewährte „Exklusivitätsperiode“. Nach Ablauf der Schutzfrist kann ein Generikum auf den Markt gebracht werden, wofür eine ziemlich kleine Untersuchung, nämlich die Untersuchung von Bioäquivalenz, erforderlich ist. Im Rahmen dieser Untersuchung nehmen gesunde Freiwillige zunächst einmalig das Originalpräparat ein, und in ein Paar Wochen – das untersuchte Generikum. Danach wird den Freiwilligen Blutplasma abgenommen, wo zuerst die Konzentration des Originalpräparats und dann des Generikums bestimmt wird. Dann werden die Untersuchungsangaben verglichen: Sollen die Konzentrationen des Wirkstoffes im Blut für das Originalpräparat und das Generikum ähnlich sein, sind die Arzneimittel äquivalent. Wir untersuchen die Analysenproben und legen den Pharmaunternehmen Berichte vor.

Ende 2015 haben wir den Beschluss gefasst, eine für uns neue Nische, Veterinärmedizin, zu betreten. Wir haben ein Veterinärlaboratoium „Anytest“ eröffnet. Es unterscheidet sich von allen Moskauer Laboratorien dadurch, dass es nur mit „industriellen“ Tieren arbeitet, und zwar Hühnern, Schweinen, Rindvieh. In dieser Nische sind unsere Auftraggeber die größten russischen agroindustriellen Komplexe sowie westliche Pharmaunternehmen, die Tiermedikamente herstellen.

– Haben Sie vor, in den Auslandsmarkt einzutreten?

– Jetzt sind wir fast voll ausgelastet und haben keine freie Instrumentenzeit, um aktiv nach Aufträgen zu suchen. In Russland gibt es nicht so viele Laboratorien, deshalb ist der Wettbewerb nicht so hoch. Wenn wir das Laboratorium ausgebaut und unseren Ausrüstungspool zweimal erweitert hätten, würde ich über den Eintritt in den westlichen Markt nachdenken. Nach meiner Ansicht können wir sehr konkurrenzfähig sein.

Auf dem Markt solcher Untersuchungen hat Indien immer die erste Geige gespielt. Sie haben alles zweimal billiger ausgeführt, aber dabei nicht besonders qualitätsgemäß – dabei wurden sie mehrmals ertappt, unter anderem von der US-Behörde zur Lebens- und Arzneimittelüberwachung und der Weltgesundheitsorganisation. Es ist dazu gekommen, dass die US-Behörde auf ihrer Web-Seite ein Schreiben veröffentlicht hat, in dem nicht empfohlen wird, die Untersuchungen in Indien durchzuführen. Das hat ein wenig den europäischen und kanadischen Markt belebt und aufgeweckt, weil die meisten Pharmaunternehmen ihre Untersuchungen aus Indien dorthin umgelegt haben.

Es gibt sehr große Laboratorien in Prag und Barcelona. Ich bin überzeugt, dass wir nicht schlechter als die und dabei viel billiger arbeiten. Aber dafür bedürfen wir der zusätzlichen Ausrüstung. Dabei kostet ein Gerät ca. 400 Tsd. USD. Wir sind kein großes Unternehmen, für uns ist der Kauf jedes Geräts schon eine Leistung. Während die indischen Laboratorien in ihrer Blütezeit jeweils 100 Geräte hatten, und die europäischen über jeweils 20 Geräte verfügen, gilt in Russland dasjenige Laboratorium als groß, wo es circa 5 Geräte gibt. Derzeit haben wir 4 Geräte.

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